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Gestern Abend kam ich ziemlich müde im Hostal an, zuerst musste ich mal unter die Dusche gehen um den ganzen Staub abzuwaschen der sich über den Tag angesammelt hatte. Über 200km Schotterpisten hinterlassen halt schon ihre Spuren. Zudem musste ich während der Fahrt andauernd niesen, da der feine Staub überall im Auto war und durch die Lüftung natürlich schön gleichmässig verteilt wurde. Zum Abendessen holte ich mir dann eine Pizza und genoss einen ruhigen Abend im Hostal. Wie ich erst später erfahren habe, wurde unser Hostal am späten Nachmittag von zwei Jugendlichen überfallen. Die zwei etwa 16-18 Jährigen haben sich unter dem Vorwand ein Zimmer zu buchen, Zugang zum Hostal verschafft. Als Gladys, die Besitzerin, ihnen die Zimmer gezeigt hatte, zückte einer der beiden plötzlich eine Pistole und forderte das Geld. Gladys bat die Diebe die anderen Gäste in Ruhe zu lassen und versprach ihnen, das Geld zu geben. Das absurde war, dass während des Überfalls mehrere Gäste anwesend waren, aber das Ganze irgendwie nicht mitkriegten. Am Abend war dann die Polizei im Haus und alle, die die Diebe gesehen hatten, mussten aufs Polizeirevier zum Verhör. Gottlob haben sie nicht allzuviel erbeutet, nur gerade 500 Pesos. Doch der Schreck bei der Besitzerin sass natürlich tief. Dreist wie die beiden waren, haben sie aus einem der Schlafsäle auch noch eine Kamera einer australischen Touristen geklaut. Da denkt man immer, Buenos Aires sei gefährlich!! Solche Geschichten passieren auch in kleinen Nestern mit gerade mal 70'000 Einwohnern.
Nun gut, heute Morgen musste ich abermals früh aufstehen, da die nächste Tour auf dem Programm stand. Mit Sack und Pack quetschte ich mich in den kleinen Tourbus, da ich ja die heutige Nacht in Trelew verbringe und nicht mehr in Puerto Madryn. Da die Tour durch Trelew fuhr, konnte ich mir so den Bus sparen. Um 8Uhr gings los in Richtung Rawson und der Playa Union. In Playa Union bestieg ich dann nochmals ein sogennantes Zodiac, ein etwas grösseres Schlauchboot, mit dem wir hinausfuhren zum Beobachten der Commerson-Delphine. Leider bekamen wir nur sehr wenige zu Gesicht. Kein Vergleich zur Tour von gestern auf der Peninsula Valdés. Das Meer war ziemlich rauh und es ging rauf und runter wie auf der Achterbahn. Verständlich dass dabei einigen Touristen ziemlich übel wurde. Durch den hohen Wellengang gabs dann noch ne Salzbehandlung gratis dazu :-)) Lustig war auch zu beobachten, wie die Leute krampfhaft versuchten, ein Foto von den kleinen Delphinen zu machen. Diese zeigten sich jedoch immer nur gerade einen Bruchteil von einer Sekunde an der Wasseroberfläche bevor sie unter dem Boot verschwanden. Da hatte ich gestern mehr Glück.
Zurück an Land gings mit dem Bus weiter nach Punta Tombo, dem eigentlich Ziel der heutigen Tour. In Punta Tombo lebt die grösste Kolonie von Magellan-Pinguinen, ca. 400'000 Tiere brüten hier und ziehen die Jungen auf bevor sie dann im Winter Richtung Brasilien ziehen. Auf einem Pfad konnte man direkt durch die Nistplätze der Pinguine gehen. Unter jedem Busch befand sich ein oder mehrere Tiere. Mittlerweile sind diese die Menschen wohl gewohnt, denn sie nahmen das Ganze ziemlich gelassen. Am Strand gab es dann mehrere Tausend Pinguine, da war ein Kommen und Gehen ohnegleichen. Am Strand tauchten auch Guanacos auf, die einheimischen Lamas. Diese eher scheuen Tiere bekamen wir auf der Peninsula Valdés nur von Weitem zu sehen. Hier aber waren sie viel Näher und ich konnte ein paar schöne Fotos machen.
Von Punta Tombo gings dann auf der Schotterpiste weiter nach Gaiman, einer gälischen Siedlung in der Nähe von Trelew. Die ganze Region Chubut, zu der unter anderem Puerto Maydrin, Trelew, Rawson sowie auch Gaiman gehören, wurde ursprünglich von gälischen Siedlern bevölkert, die mit einem Schiff um 1896 hier landeten da sie von England unterdrückt wurden. Bis heute wird hier die gälische Sprache in der Schule gelernt. In Gaiman, einem kleinen beschaulichen Ort, gibts noch ein paar alte Teehäuser, die den Té Galesa sowie den berühmten Kuchen dazu servieren. Unser Bus machte hier knapp eine Stunde Halt, damit diejenigen die wollten, den Tee und den Kuchen kosten konnten. Durch Gaiman fliesst auch der Rio Chubut. Die umliegenden Felder beziehen zum grössten Teil das Wasser aus diesem Fluss. Dadurch erscheint der Ort wie eine Art Oase umgeben von satten grünen Wiesen und vielen Schafen. Man wähnt sich schon fast in Irland.
Gegen 18h waren wir dann zurück in Trelew und der Tourbus setzte mich direkt vor meinem Hotel, dem Libertador, ab. Das Hotel wurde in den Siebziger-Jahren erbaut und sieht auch heute noch so aus. Die Zimmer haben einen knallroten Teppich und eine Blümchentapete. Man kommt sich vor wie vor 30 Jahren - echt witzig. Das schlimmere Übel war aber der penetrante Raumduftspray, der einem gleich in die Nase stieg beim Betreten des Zimmers. Ich musste erstmal das Fenster öffnen, damit frische Luft reinkam. Im Bad ist der Duft von Mottenkugeln allgegenwärtig. Wenn man den WC-Deckel öffnet haut es einem fast aus den Latschen. Hier überlebt wirklich kein Insekt länger als zwei Sekunden!!!
Das Gute ist, dass das Zimmer recht gross ist, so dass ich nun nach fast zwei Wochen endlich mal meine Reisetasche richtig öffnen kann ohne gleich darüberzustolpern. Morgen früh gehts dann um 8.15h mit dem Flugzeug der Aerolineas Argentinas weiter nach El Calafate.
Mittwoch, 20. Februar 2008
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