Gestern Abend habe ich mich mal wieder einem sogenannten Gemeinschaftstisch (Shared Table) angeschlossen. Man kann ja da nach verschiedenen Sprachen wählen. Meist ist es Englisch, manchmal auch Deutsch oder Spanisch. Gestern war mal wieder Deutschland an der Reihe. Am Tisch waren ein Ehepaar aus Bremerförde sowie eine ältere alleinreisende Dame aus Düsseldorf. Die Leute waren sehr nett auch wenn mich das Ganze zwischendurch immer mal wieder an einen Loriot-Sketch erinnerte, da die Unterhaltung zweitweise etwas gar steif war. „Ach Sie kommen aus der Schweiz? Wie schön! Wird in Basel eigentlich Französisch gesprochen? Nein? Ach, ich dachte es mir fast...“ So ging das dann den ganzen Abend weiter. Gegen 21Uhr habe ich mich dann höflich verabschiedet um mir die allabendliche Show anzugucken. Die war jedoch an Peinlichkeiten und Pannen fast nicht zu überbieten. Es sollte eine Country Show sein doch irgendwie passten die Tänzer nicht so recht in diese Cowboykluft da sie alle viel zu knabenhaft waren um als hartgesottene Cowboys durchzugehen. Dazu kam noch dass man sich bei der einen Solosängerin ernsthaft fragen muss wie sie es schaffte, diesen Job zu bekommen, denn singen ist wirklich nicht ihre Stärke. Das schlimme daran ist, dass die Gute überhaupt nicht singen kann! Die hohen Töne trifft sie praktisch kaum und auch sonst ist die Stimme eher flach. Und als verruchtes Countrygirl ging sie nun vollends unter. Als sie dann noch Stand by your man zu singen begann musste ich fluchtartig den Saal verlassen. „Leider nein“ sag ich da nur. Es gibt da noch eine zweite Sängerin die um Klassen besser ist. Vermutlich ist erstere die Tochter des Veranstaltungschefs...smile.
Nun aber zurück zu der eigentlichen Reise. Nachdem die Fahrt durch den Beagle Kanal einigermassen ruhig war, begann es dann in der Nacht kräftig zu schütteln. Wir hatten die schützenden Fjorde verlassen und für eine kurze Strecke wieder den offenen Ozean erreicht. Die Gischt der Wellen schlug teilweise so hoch, dass das Deck 7, wo ich bin, richtiggehend geflutet wurde. Heute Morgen waren dann die Teppiche in den Korridoren bei den Aussentüren mit Wasser durchtränkt. Da musste der grosse Fön ran! Gegen 8Uhr trafen wir dann in Punta Arenas (Chile) ein wo wir den ganzen Tag Zeit hatten um den Ort zu erkunden. Der Ort ist sehr schmuck mit seinen vielen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Es war jedoch nicht mehr allzuviel los im Ort, man merkt dass die Saison bereits langsam zu Ende geht. Ich habe dann erstmal einen Rundgang durch die Stadt gemacht und den grossen Friedhof etwas ausserhalb besichtigt. Es gibt da viele deutsche und sogar schweizer Namen auf den Grabsteinen. Chile war ja das Zufluchtsland Nummer Eins für ehemalige Nazi Grössen. Das grösste Grab hatte jedoch ein Wollhändler der sich eine richtige Basilika bauen liess – Geld und Einfluss machen es möglich.
Um auch ein paar Einkäufe tätigen zu können, musste ich noch ein paar Pesos am Bancomaten beziehen. Während ich in Argentinien mit dem Umrechnen keine Probleme hatte, muss ich mich hier in Chile jetzt wieder umgewöhnen. 1 US Dollar sind im Moment ca. 440 chilenische Pesos. Je weiter man vom Hafen weg geht desto besser wird der Wechselkurs. Dies gilt auch für die Tarife des Internets. Leider sind die Internetverbindungen zum Einschlafen langsam so dass ich über 2 Stunden am Computer verbrachte, bis ich die Fotos raufgeladen hatte. Sortieren ging schon gar nicht mehr da sich mittlerweile einfach zu viele Fotos angesammelt haben. Muss wohl mal eine Löschaktion durchgeben :-) Während es am Morgen noch mehrheitlich bewölkt und saukalt war, klarte das Wetter später auf und die Sonne kam zum Vorschein. Der Wind hielt die Temperaturen aber weiterhin tief so dass es ohne Faserpelz und Windjacke ziemlich ungemütlich gewesen wäre. Um 18.30Uhr hiess es dann „alle Mann an Deck“ und bereit machen für die Weiterfahrt. Die Hobby-Kapitäne unter den Gästen hatten sich schon 20 Minuten vor Abfahrt auf dem Oberdeck in Position gebracht um das Ablegemanöver kritisch zu begutachten. Ausgerüstet mit Fernglas und Fotokamera standen sie in Reih und Glied mit den Händen auf dem Rücken an der Reling und fachsimpelten über das Manöver. Natürlich hatte jeder von ihnen passende Tipps bereit wie man das am besten macht.
Morena, meine Raumstewardess (offizielle Bezeichnung hier), hat mir heute einen lustigen Pinguin mit den Handtüchern gebastelt. Jeden zweiten Abend gibts ein anderes Tier auf dem Bett. Unglaublich was man mit Handtüchern so alles anstellen kann. Der Raumservice ist wirklich sehr aufmerksam. Heute war mal wieder Solo-Essen angesagt. Zwischendurch geniesse ich es auch einmal, alleine am Tisch zu sitzen. Das Essen hier auf dem Schiff ist erstklassig, was man vom Service nicht immer behaupten kann. Doch heute war auch dieser herausragend. Beim Essen des Salates entdeckte ich jedoch unter einem Blatt eine kleine Biene. Ja, ihr habt richtig gehört – keine Fliege oder Schnecke – eine Biene lag da einbalsamiert unter dem Lattichblatt. Ich fand es ja nicht weiter schlimm doch der Chef de Service entschuldigte sich sicher hundertmal für den Faux Pas und sogar der Executive Chef aus der Küche entschuldigte sich bei mir. Ein richtiges Defilé begann an meinem Tisch – fast ein bisschen peinlich. Der eine Chef wollte dann noch meine Zimmernummer wissen. Ich fragte dann scherzhaft, ob er mir jetzt ein Glas Honig ins Zimmer stellt :-)) Mal gucken, ob da nun wirklich noch was kommt oder ob es nur oberflächliches Getue war. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.
Heute Abend tritt nochmals die Tanzgruppe auf, das werde ich mir jedoch ersparen denn heute ist „Tribute to the Beatles“ angesagt. Später gibts dann noch eine Mojito Night in der Disco, das klingt doch schon besser, denn unter den vielen Cocktails, die man hier haben kann, gibts nämlich weder Caipirinha noch Mojitos.

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