Gestern Abend gabs hier an Bord eine Show mit Daniel Bouchet – eine Billigversion von Julio Iglesias – so ein richtig klassischer Schmachtlatino mit Fönfrisur. Singen konnte er ja ganz gut, das war aber dann auch schon alles. Natürlich fanden die älteren Ladys den auch schon etwas älteren Argentinier sehr reizend und applaudierten auch entsprechend lautstark. Während die Herrschaften aus Argentinien und Brasilien junggeblieben und recht amüsant sind (das sind auch die Einzigen die Abends noch das Tanzbein schwingen), kann man den Rest aus den USA, Deutschland und der Schweiz vergessen. Vor allem die Deutschen bekriegen sich untereinander hier an Bord. Gestern gabs so ein „Schmankerl“ bei der Überfahrt mit den Tenderbooten von Port Stanley zurück aufs Schiff. Ein Ehepaar hinter mir war andauernd am gifteln über die anderen Leute und als dann ein weiteres Ehepaar vor uns durch die Schlange ging, musste der Herr hinter mir natürlich gleich eine Belehrung übers Anstehen vom Stapel lassen. Dabei wollten die beiden ja nur in den Souvenir Shop rein und nicht aufs Boot. Es gab dann einen Schlagabtausch wie in einem Loriot-Sketch. Der Herr Herr der in den Souvenir Shop wollte meinte zum Herrn hinter mir, er solle sich mal beruhigen er sei ja schliesslich in den Ferien. Darauf antwortete der Herr hinter mir „er solle mal nicht frech werden“. Die beiden Herren stritten dann weiter miteinander und selbst die Damen begannen dann sich anzukeifen... Die Europäer sind einfach zu verbissen, sag ich da nur.
Heute Morgen scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein. Mein Tag begann mit meiner obligaten Yoga Stunde um 9Uhr. Zusammen mit gelifteten Damen aus den USA nehme ich allmorgendlich an den Yoga Lektionen teil. Auch heute ist die See ziemlich rauh und aus diesem Grunde ist es jedes Mal unheimlich schwierig die Balance zu halten bei den einzelnen Übungen. Nach dem Yoga musste ich erstmal in die Sauna um mich aufzuwärmen, da der Raum wo das Yoga stattfindet konstant unterkühlt ist. Das Wetter draussen ist so richtig zum drinnen sitzen und heisse Schokolade trinken. Nebel, Nieselregen und hohe Wellen.
Heute Abend werden wir gegen 19.30h das Kap Horn erreichen – den südlichsten Punkt unserer Kreuzfahrt. Es gibt dann eine Art Zeremonie und alle Passagiere werden „getauft“, da es etwas besonderes ist, wenn man um das Kap Horn segelt resp. fährt. Hier treffen sich ja drei Ozeane – der Atlantik, der Pazifik sowie der antarktische Ozean. Das Kap Horn wurde erstmals am 29. Januar 1615 von nicht Nicht-Indios erkundet. Dies während einer privaten Erkundungsfahrt der Holländischen Ost-Indien Company. William Schouten war der Kapitän dieser Einheit. Das Kap Horn wurde nach dem Heimatort der Expedition benannt. Da das Wetter dort sehr unberechenbar ist, ist die Passage rund ums Kap Horn nach wie vor eine der schwierigsten Abschnitte für die Schifffahrt. Gegen 7Uhr morgens erreichen wir dann Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt. Die Wettervorhersage scheint für den Moment eher schlecht zu sein – Regen bei max. 11 Grad. Zum Glück habe ich keine Ausflüge gebucht. Wir werden auch nur bis 13Uhr dort bleiben bevor das Schiff dann weiterfährt durch den Beagle Kanal nach Punta Arenas.
So, nun muss ich mal einen Blick in mein Freestyle Daily werfen – der Bordzeitung hier. Dort ist jeweils aufgelistet was es so Tolles gibt an Bord. Da gibts zum Beispiel ein Bridge Turnier, ein Basis Spanischkurs oder einen Tanzkurs. Spannend ist dann auch das Seminar „Fight the Fat Cell“ (bekämpfe die Fettzellen)... Vermutlich gehen da all die dicken Amis hin und Abends schlagen sie dann am Büffet wieder zu! Heute Abend gibts eine Cabaret Show auf der Hauptbühne – ich hoffe, dass diese Show besser ist als diejenige von gestern.
Mittlerweile ist es 21.30Uhr und wir haben das Kap Horn erfolgreich einmal umrundet. Das war eine wirklich einmalige und sehr eindrückliche Sache. Der Wind hatte zeitweise mehr als 30 Knoten und es wehte einem fast vom Oberdeck des Schiffes. Das Wetter änderte fast im Minutentakt von Sonne auf Regen dann auf Schnee zurück zur Sonne. Die Wassertemperatur hier ist gerade mal noch 6 Grad und die Luft war auch nicht viel wärmer mit 7 Grad. Durch den Windchillfaktor fühlten sich die 7 Grad jedoch an wie 0 Grad. Also Verhältnisse wie zu Hause in der Schweiz nur mit dem kleinen Unterschied das hier Sommer ist... Das Kap Horn ist ja der südlichste Punkt der Erde, danach kommt nur noch die Antarktis. Die eine Insel mit dem Leuchtturm drauf wird abwechselnd von verschiedenen chilenischen Familien für jeweils 3 Monate bewohnt. Abgeschiedener kann man ja fast nicht mehr leben. Neben dem Leuchtturm gibt es noch ein Denkmal in der Form eines Albatros. Der Albatros erinnert an die vielen Seefahrer die hier im Sturm umgekommen sind. Später gab es dann noch die traditionelle Taufe mit Meerwasser. Das war vielleicht ein Geschrei sag ich euch. Man stellte sich hin und bekam dann eine Kelle voll eiskaltem Wasser über den Kopf gegossen. Bei gewissen Leuten nahm der Kapitän auch schon mal einen ganzen Eimer voll Wasser, sehr zum Vergnügen der Zuschauer rundherum! Das Ganze war auf jeden Fall enorm lustig und ein Muss. Ich hoffe, dass ich morgen in Ushuaia die Fotos raufladen kann so dass ihr die Fotos angucken könnt.
Heute habe ich mir mal wieder vergegenwärtigt was für ein Glück ich eigentlich habe, eine solche Reise machen zu können. Morgen sind es bereits schon 2 Monate seit ich die Schweiz in Richtung Argentinien verlassen habe. Auf meiner Reise habe ich so viele schöne Sachen erlebt und gesehen und ich denke, dass in der kommenden Woche nochmals viele Highlights auf mich warten. Ich denke, vieles werde ich erst so richtig realisieren wenn ich zurück in der Schweiz bin und mir dann die Fotos nochmals in Ruhe anschauen kann. Heute habe ich mir auch mal einen Ausdruck machen lassen von meinen bisherigen Ausgaben hier an Bord....uppps ich glaube ich muss schon in Ushuaia von Bord gehen....smile

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