Heute war mein letzter Tag in Bariloche, zum Glück hat der Regen in der Nacht nachgelassen so dass heute bereits wieder die Sonne schien. Somit konnte ich dann doch noch meine Tour nach Pampa Linda machen. Pampa Linda liegt am Fusse des Cerro Tornador, der mit seinen 3478m einer der höchsten Gipfel ist hier in der Region. Nach dem letzten Frühstück mit Blick auf den See, fuhr ich dann los. Zuerst vorbei am Lago Gutierrez zum Lago Mascardi. Beide Seen sind wunderschön gelegen, umgeben von Wald und Bergen. Einmal mehr die Szenerie des Lago di Como…smile. Unterwegs trifft man immer mal wieder ein Rudel Hunde an, die bei jedem vorbeifahrenden Auto auf die Strasse springen und laut bellend versuchen, ins Vorderrad zu beissen. Das erste Mal habe ich mich total erschrocken und bin mächtig auf die Bremse getreten da ich ja nicht wusste, ob sich der Hund in Selbstmordgedanken vor mein Auto werfen will oder was auch immer. Mittlerweile weiss ich, dass das wie ein Spiel ist – eine Art Machtgehabe der Hunde. Lustigerweise springt immer nur ein Hund aus dem Rudel auf die Strasse während der Rest die Szene vom Strassenrand aus beobachtet. Wohl eine Art Bestätigung des Machtanspruchs oder so… komisches Argentinien sag ich da nur. Zum Glück bin ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs, da hätte ich sicher schon mehrere Hundebisse kassiert J
In Villa Mascardi, einem kleinen Weiler am gleichnamigen See, zweigt die Strasse nach Pampa Linda ab. Ab hier ist dann fertig mit geteerten Strassen und schnellem Fahren - es beginnt eine 50km lange Ripio, eine Schotterpiste. Ca. 1km von der Hauptstrasse entfernt befindet sich das Eingangstor in den Nationalpark Nahuel Huapi wo man an der Rangerstation 20 Pesos für den Park bezahlen muss. Die Ranger sind sehr freundlich und erklären einem anhand von einem Plan wo man lang fahren muss und was man alles sehen kann. Danach beginnt das eigentliche Abenteuer, denn der Fahrweg ist zeitweise ziemlich eng, so dass die Zufahrt nach Pampa Linda zeitlich geregelt wird. Bis 14Uhr kann man in die eine Richtung fahren und ab 16Uhr dann in die Andere. Die Strasse ist gespickt mit Schlaglöchern und grossen Steinen – eine Herausforderung für das Auto und den Fahrer gleichermassen die höchste Konzentration fordert. Denn ehe man sich versieht steckt man entweder in einem Loch fest oder rasselt den Abhang hinunter weil man die Aussicht geniesst und dabei die nächste Kurve verfehlt! Es lief jedoch alles perfekt und nach 1.5 Stunden Holperfahrt kam ich in Pampa Linda an. Pampa Linda ist ein sehr schöner Fleck im Tal des Rio Manso, eine Art Hochebene mit grossem Feuchtgebiet. Hier gibt’s ein Hotel, eine Hosteria sowie ein Campingplatz. Von hier aus kann man diverse Bergtouren machen, unter anderem auch zur Refugio Otto Meiling auf 2005m über Meer. Die Berghütte befindet sich direkt an den Gletschern und man hat von dort aus einen phantastischen Blick auf den Tornador. Gerne hätte ich diese Tour gemacht um ganz nahe an die Gletscher zu kommen, doch der Aufstieg zur Hütte beansprucht ca. 5 Stunden, somit konnte ich diese Tour leider nicht machen. Stattdessen fuhr ich mit dem Auto noch 8km weiter den Berg hinauf bis zum Gletscher Ventisquero Negro. Von der Aussichtsplattform sieht man auf die Laguna in der grosse Eisbrocken schwimmen. Der Gletscher selber ist aber nicht so schön da er von schwarzem Stein und Sand bedeckt ist. Eine eher schmutzige Angelegenheit…jedoch trotzdem eindrücklich. Ca. 1km von der Aussichtsplattform entfernt befindet sich ein kleines Selbstbedienungsrestaurant. Bis dorthin kann man auch mit dem Auto fahren. Danach besteht die Möglichkeit auf einem 10 minütigen Spaziergang zu den Wasserfällen des Garganta del Diablo aufzusteigen. Es ist eindrücklich, wie sich die Wassermassen die Felsen runterstürzen. Oberhalb der Felsen trohnt der Glaciar del Manso und irgendwie hat man das Gefühl dass da jederzeit Eisbrocken abbrechen und runterdonnern könnten. Gemäss meinem Reiseführer ist das auch tatsächlich so und Schilder bei der kleinen Aussichtsplattform warnen denn auch ausdrücklich davor zu Nahe an den Wasserfall zu gehen. Trotzdem hat es natürlich immer ein paar Touristen die es nicht lassen können und über die Abschrankung steigen. Denn von der Plattform aus sieht man eben nur einen Teil des Wasserfalls da sich der Rest hinter einer Moräne befindet. Wenn man nun also zu Nahe ran geht kann es schon sein, dass man von einem herunterfallenden Eisstück getroffen wird und das ist ja nicht gerade erstrebenswert, oder?
Auf dem Rückweg legte ich einen Stop in Pampa Linda ein und genoss eine Portion Pommes (!) mit Blick auf den Cerro Tornador. Mittlerweile haben sich auch die Wolken soweit verzogen dass man einen freien Blick auf den ganzen Gipfel hat. Das Hochtal des Rio Manso ist an dieser Stelle wirklich sehr schön, man kann hier Reiten, Wandern oder einfach nur in den Tag hineinleben. Um 16Uhr bin ich dann zur holprigen Rückfahrt aufgebrochen. Zwischendurch machte ich immer mal wieder einen Fotostopp denn das Panorama war wirklich atemberaubend. Schlau wie ich bin, habe ich natürlich vergessen, gestern meinen Akku zu laden und als dann die schönsten Sujets auftauchten machte meine Digitalkamera schlapp. Tja, typisch ich mal wieder.
Nach knapp 2 Stunden Fahrt war ich dann wieder in Bariloche, wo ich direkt zum Flughafen fuhr um den Mietwagen zurückzugeben. Zum Glück hatte ich einen Flug mit LAN gebucht, denn alle Flüge mit Aerolineas Argentinas hatten zwischen 2 bis 4 Stunden Verspätung! LAN war wie immer pünktlich und nicht so chaotisch. Der Flug war vollgepackt mit Familien und schreienden Kindern. Ich glaube ich habe noch nie einen Flug mit so vielen Kindern erlebt! Knapp 2 Stunden war nicht daran zu denken ein Buch zu lesen, geschweige denn zu schlafen. Von hinten trat ein Dreikäsehoch andauernd mit den Beinen gegen meinen Sitz so dass mir bis Buenos Aires langsam die Wirbelsäure weh tat. DA halfen auch böse Blicke nach hinten wenig. Vor mir schrien gleich zwei Kleinkinder um die Wette – die armen Eltern versuchten mit allerlei Ablenkungsmanövern ihre Kinder zu beruhigen. Ich war dann wirklich froh, in Buenos Aires zu landen…
In Buenos Aires regnete es mal wieder. Anscheinend seit 4 Tagen in Folge, es gab auch schon ziemliche Überschwemmungen wie man in der Zeitung lesen konnte. Nun bin ich im Hotel American Suites, einer eher zwielichtigen Absteige mitten im Zentrum. Die Zimmer sind zwar sauber aber eteas schäbig – von den Wänden blättert die Tapete ab und der weinrote Teppich hat auch schon bessere Tage erlebt. Aber es ist ja nur für eine Nacht und für 60 US$ etwas vom Günstigsten was ich kriegen konnte. Ab morgen habe ich ja dann meine eigene Kabine auf dem Schiff – darauf freue ich mich jetzt schon.

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